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Vom Tabakanbau und einer Tabak-Schule in der Stadt Siegen im 18. Jahrhundert

Tabakanbau in der südwestfälischen Peripherie am Ende des Ancien Régime? Was sich für die Mittelgebirgsregion an der Sieg zunächst kurios anhört, erfährt durch die archivalische Überlieferung unter oranischer Ägide eine bemerkenswerte Bestätigung. Landesherrliche Edikte, die behördliche Korrespondenz und die Veröffentlichung eines Ratgebers zum Anbau des Tabaks zeugen im späten 18. Jahrhundert von wirtschaftspolitisch motivierten Maßnahmen zur Kultivierung der damals noch als Panazee gepriesenen Pflanze im ehemaligen Fürstentum Nassau-Siegen, wie der folgende Beitrag dokumentiert.

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„Dezentrale Euthanasie“ in Warstein? Die Sterbefälle der Provinzial-Heilanstalt Warstein zwischen 1926 und 1945

Bettensaal im Krankengebäude der Provinzial-Heilanstalt Warstein: "Schlafsaal in M-I", "M" für "Männer", Krankengebäude für männliche Patienten, undatiert, ca. 1928. © LWL-Medienzentrum für Westfalen

Wie möchte man nachweisen, ob ein Mensch vor über 80 Jahren vorsätzlich ermordet wurde oder doch aufgrund misslicher Umstände den Tod fand? Für die Heilanstalten zur Zeit des Nationalsozialismus ist diese Frage nicht allgemeingültig zu beantworten. In den Jahren 1940 bis 1941 wurden im Rahmen der „Aktion T4“ systematisch über 70.000 Patientinnen und Patienten durch Gas getötet. Und auch danach wurden Morde durch Anstaltsleitungen billigend in Kauf genommen. Aber wie sah es in der Provinzial-Heilanstalt Warstein aus? Übersteigen die Sterbefälle hier ein Maß, dass ebenfalls systematische Tötungen anzunehmen sind?

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Münsters Rathaus zwischen Kriegsende und Neuanfang: Meilensteine des Wiederaufbaus im Spiegel der Westfälischen Nachrichten

Wie erinnert eine in Trümmern liegende Stadt an ihre Vergangenheit? Nach der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und dem Zweiten Weltkrieg war der Wiederaufbau des historischen Rathauses in Münster in den 1950er Jahren weit mehr als ein Bauprojekt. Er bot die Grundlage für die Narration von Fleiß, Opferbereitschaft und Bürgersinn. Die Westfälischen Nachrichten machten den Wiederaufbau Hand in Hand mit der Stadtverwaltung zu einer moralischen Erfolgsgeschichte, in der Fragen nach Schuld und Verantwortung weitgehend ausgeblendet wurden. Der Artikel zeigt, wie das Rathaus zu einem Erinnerungsort der Stadtgesellschaft wurde, dessen Stahlkraft noch heute fortwirkt.

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Geistlicher und städtischer Raum: der Umgang mit der Domhof-Immunität in Münster

Die Stadt Münster stellte in der Frühen Neuzeit einen durch Stadtmauern nach außen abgegrenzten Herrschaftsraum dar. Allerdings waren die kirchlichen und klösterlichen Gebäude und Bezirke in der Stadt von der Herrschaft des Rates ausgenommen; bei ihnen handelte es sich um sogenannte Immunitäten. Der größte dieser Bezirke war der Domhof. Auch er war von der Herrschaft des Rates ausgenommen. Trotzdem war er durch seine Lage mitten in der Stadt in das bunte Treiben des städtischen Alltags eingebunden. Zahlreiche Anekdoten veranschaulichen die Aneignung der Immunität durch die Stadtbevölkerung und das Ringen zwischen Stadtrat und Domkapitel um den obrigkeitlichen Zugriff auf den Domhof. Einige dieser Episoden werden im Folgenden rekonstruiert, um die alltäglichen Herausforderungen und den praktischen Umgang mit der Koexistenz von zwei Rechtsräumen innerhalb der Stadt zu veranschaulichen.

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Der „Breslauer Treck“: „Transport deutscher Juden“ 1946 – von Wrocław nach Detmold

Quelle: https://www.landesarchiv-nrw.de/iiif/data02/Abt_Rheinland/RW_0261/~023/02373/R_RW_0261_02373_R.jp2/full/max/0/default.jpg

Von Breslau/Wrocław nach Detmold in die Britische Zone: 1946 kam eine kleine Gruppe jüdischer Überlebender mit einem Vertriebenenzug in die Britische Besatzungszone. Sie waren im Krieg in Breslau als „Juden“ verfolgt und aus dem polnischen Wrocław als Deutsche ausgewiesen worden. Und in Detmold…? Der Artikel rekonstruiert anhand erhaltener Unterlagen aus dem Archiv der Jüdischen Gemeinde Detmold das Nachkriegsschicksal dieser Gruppe. Ohne die „Breslauer“ hätte es hier 1946 keine Gemeinde-Neugründung gegeben. Der solidarische Zusammenschluss der Überlebenden aus Ost und West war außergewöhnlich.

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„Seid ihr dull und unsinnig?“ – Justiz, Magie und Eigensinn im Hexenprozess der Caspare Beyhoff (1628)

Wie schreiben wir die Geschichte einer Frau, deren Leben nur deshalb dokumentiert ist, weil eine Maschinerie in Gang gesetzt wurde, um es systematisch und gezielt zu vernichten? Dieser Werkstattbericht wagt den Versuch einer Rekonstruktion des Hexenprozesses der Caspare Beyhoff aus Lüdinghausen und folgt dabei den Spuren, die die Akten aus dem Fürstbistum Münster selbst hinterlassen haben. Zugleich versteht sich der Beitrag als methodische Warnung. Denn wer sich mit den frühneuzeitlichen Hexenprozessakten beschäftigt, betritt ein vermintes Gelände der Quelleninterpretation, in dem das Geschriebene oft dem Gegenteil des Wahren entspricht.

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Von Wallhecken, Reklameunwesen und „bemerkenswerten Bäumen“: Münsters Naturschutz in der Kaiserzeit zwischen Heimatbewegung und beginnender Verstaatlichung

„Jedes Reklameschild in der freien Landschaft bedeutet eine Prostitution der Heimat.“ So schrieb Wilhelm Lienenkämper, Naturschutzbeauftragter des Regierungsbezirks Arnsberg, 1938 in seinem Naturschutz-ABC an seine Kolleginnen und Kollegen. Für ihn zählten die vielen Reklameschilder neben der „blechverpestete[n] Ortschaft“ zu den größten Feinden, vor denen die Natur geschützt werden musste.1 Ähnlich sahen es viele Anhänger der Naturschutzbewegung Westfalens. Lienenkämpers Naturschutz-ABC zeigt, dass das damalige Verständnis nicht unserem heutigen, wissenschaftlich basierten Natur- und Umweltschutz entspricht. Als offizieller Naturschutzbeauftragter war es seine Aufgabe, den Naturschutz staatlich umzusetzen. Dieser Beitrag widmet sich den Anfängen des staatlichen Naturschutzes in Westfalen und seinen kulturellen Voraussetzungen. Der Fokus liegt hierbei nicht auf Arnsberg, sondern auf dem Verwaltungsmittelpunkt Westfalens: Münster.

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  1. Beide Zitate: LAV NRW W, K 101 Regierung Arnsberg, Nr. 41334.[]

Handgezeichnete Karten kleinerer Räume in Westfalen (1470-1650)

Handgezeichnete Karten kleinerer Räume in Westfalen sind vereinzelt seit dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts bekannt. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nimmt die Anzahl überlieferter Exemplare deutlich zu, wie sich etwa am Kartenbestand des Landesarchivs NRW in Münster ablesen lässt. Solche Karten mit lokaler oder regionaler Reichweite, heute alltäglich in Gebrauch, waren damals ein neuartiges, innovatives Medium der Raumbeschreibung, für dessen Aufkommen und zunehmende Verbreitung es in der Mitte des 16. Jahrhunderts gute Gründe gegeben haben muss.

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Seit wann sprechen wir eigentlich vom „Westfälischen Frieden“?

Im laufenden Westfalen-Jubiläum ragt das Jahr 1648 als heller Leuchtturm aus 1.250 Jahren westfälischer Geschichte hervor. Doch seit wann wird jener Friedensschluss, der den „Krieg der Kriege“ beendete, namentlich mit Westfalen in Verbindung gebracht? So viel steht fest: In den Vertragswerken selbst ist von einer Pax Westphalica nichts zu lesen. Zahlreiche Abhandlungen tragen den „Westfälischen Frieden“ im Titel, ohne über die Ursprünge dieser Bezeichnung aufzuklären. Auch Google, ChatGPT oder Perplexity versagen. Lohnt es sich, dieser etwas kuriosen Beobachtung nachzugehen?

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„da ich den festen Glauben hatte, daß dieses mein richtiger Name war“ – Namen in Westfalen zwischen staatlichen Wissensbeständen und gelebtem Alltag um 1900

Wer entscheidet, ob ein Name ‚wahr‘ beziehungsweise ‚richtig‘ ist? Die Personen, die den Namen verwenden, denen der Name ‚gehört‘? Oder ‚der Staat‘, der – um effizient funktionieren zu können – darauf angewiesen ist, Zugriff auf die Bevölkerung zu haben, und dafür rechtliche Rahmenbedingungen schafft, die die Namensgebung und ‑führung festlegen? Und aus welchen Kontexten stammen die Informationen und das Wissen, die den Wahrheitsgrad dieser Namen bestimmen? Der folgende Beitrag zeigt, dass solche Fragen im Westfalen des frühen 20. Jahrhunderts häufig ungeklärt waren und, sobald sie aufkamen, Konflikte zwischen Alltags- und Verwaltungspraktiken auslösen konnten.1

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  1. Dieser Beitrag ist eine leicht überarbeitete Fassung meines gleichnamigen Vortrags, präsentiert am 8. Juli 2025 im LWL-Museum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop anlässlich der Verleihung des Karl-Zuhorn-Preises 2025. Das obige Titel-Zitat in: Protokollarische Verhandlung mit dem Bergmann Paul Kinner im Amt Gladbeck, 16. April 1913, Stadtarchiv (StA) Gladbeck, 1-B Amt Gladbeck, Nr. 15.[]